Die „von Witzleben“ in Angelroda

An dieser Stelle ein paar Ausführungen zum Adelsgeschlecht „von Witzleben“.

Offiziell wird das Adelsgeschlecht bis zum Jahr 1330 nachgewiesen. Aber bereits im 10. Jahrhundert  soll es erste Erwähnungen gegeben haben. Dies wird jedoch in der offiziellen Witzlebener Chronik angezweifelt, da der Nachweis sehr dürftig und nicht Stichhaltig ist.

Hier in diesem kleinen Beitrag soll es nur um die „Witzlebener“ gehen, die mit Angelroda und dem Rittergut in Verbindung gebracht werden können.

„von Angelroda“ gleich „von Witzleben“?

Zu Beginn gleich eine große Frage: War das Adelsgeschlecht“ von Angelroda“ ( Angilrode, Angelrod) eine Nebenlinie der „von Witzleben“? Nun, wahrscheinlich Ja!

 

 In der Witzlebener Chronik geht man davon aus, auch wenn einige Bedenken genannt werden. Oben auf der Seite ist das Sieglwappen der „von Witzleben“ zu sehen. Hier nun das der „von Angilrode“.

In älteren Schriften werden auch in Bezug auf beide Adelsgeschlechter des Öfteren die lateinischen Worte „cosanguineus“ und „cognatus“ erwähnt, welche mit „blutsverwand“ übersetzt werden.

1293 wird ein Ritter Friedrich von Angelrode erwähnt. Dieser ist Zeuge bei einer Beurkundung.

1319  wird ein Conrad von Angelrode genannt, welcher dem Kloster Ilm (Stadtilm) Zinsen aus seinen  Gütern schenkte. Die Güter sind Schwarzburger Lehn, mit Sicherheit Angelroda, denn 1343 geht Angelroda in Henneberger Besitz über und Conrad von Angelrode und „all seine Mannen“ werden ebenfalls Henneberger Untertanen.

 

Weiterhin werden in den Jahren 1377 und 1388 Personen mit dem Namen „von Angelroda“ u.a. als Pfarrer in Oberndorf (Angelhausen) und Käfernburg erwähnt.

 

Erwähnt werden auch Personen mit dem Namenszusatz “von Angelrode“ am Ende des 14. Jahrhunderts in Zusammenhang mit Wasungen und Bechstedt (bei Bad Blankenburg).

Witzlebener bis 1651 in Angelroda

Vor dem Jahr 1651 werden bereits einige Personen aus dem Witzlebener Adelsgeschlecht mit Angelroda, dem Gut bzw. dem Ort, in Verbindung gebracht.

 

1351 ließen sich die Brüder Friedrich, Hermanstein und Iring von Witzleben ihre Ansprüche an Roda (Ilmenau Roda), Manebach, Gera (Geraberg), Angelroda, und Wiesen und Weingärten unter der Elgersburg vom Henneberger Grafen bestätigen. Die drei Brüder gehörten zur Elgersburger Linie der Witzlebener.

 

Als 1363 Angelroda wieder in Schwarzburger besitz überging wird Ritter Friedrich von Witzleben aus Liebenstein genannt. Dieser besaß zu diesem Zeitpunkt bereits einige Äcker, Wiesen, Waldflächen und ein Vorwerk in Angelroda.

 

1630, nach dem Tod von Burkhard Hieronymus Russwurm, erbat sich Georg Melchior von Witzleben aus Liebenstein das Gut und den Ort Angelroda vom schwedischen König für sich. So geriet der Liebensteiner Witzlebener kurzzeitig in den Besitz des Gutes. Der eigentliche Besitzer, Ludwig Günther zu Schwarzburg, ließ diese „Landnahme“ nicht auf sich sitzen und klärte die Besitzverhältnisse. Dem Liebensteiner wurde das Gute und der Ort wieder „aus der Hand genommen“. Dies war aber noch nicht das letzte Mal, das Georg Melchior von Witzleben mit Angelroda in Verbindung gebracht werden konnte, wie weiter unten zu lesen ist.

 

Witzlebener ab 1651 bis 1802 in Angelroda

 

1651 kaufte Regina Elisabeth von Witzleben das Gut Angelroda für Ihre noch nicht volljährigen Söhne Job Wilhelm, Friedemann Melchior und Hans Hartmann. Regina Elisabeth von Witzleben war seit 1644 verwitwet. Ihr verstorbener Mann war als jüngster von drei Brüdern Mitbesitzer der Elgersburg und der dazu gehörenden Güter.

Der genaue Grund des Erwerbs des Gutes Angelroda ist nicht bekannt. Vermutungen, dass es aus Erbstreitigkeiten um die Elgersburg und deren Güter herrührt sind eigentlich eher abwegig, da 1651 nur ein weiterer Erbe Anteile an Burg und Gütern hatte. Dieser, Georg Friedrich von Witzleben, starb 1689 ohne männlichen Erben und so fielen Burg und Güter an die drei Söhne von Regina Elisabeth von Witzleben.

1644 wurde Georg Melchior von Witzleben auf Liebenstein zum Vormund von Job Wilhelm, Friedemann Melchior, Hans Hartmann und deren Schwester Maria Elisabeth ernannt. Als Vormund konnte er nun auf dem Gut in Angelroda schalten und walten wie er wollte. So kam er, wenn auch nur für einige Zeit, an das Gut Angelroda.

 

Friedemann Melchior und Hans Hartmann blieben Kinderlos. Job Wilhelm hatte 8 Kinder, darunter die zwei Söhne Johann Georg und Hartman. Johann Georg wird Stifter der Linie zu Angelroda und 1711 alleiniger Besitzer des Gutes Angelroda. Hartman übernimmt 1711 Die Elgersburg und die dazu gehörigen Güter in Manebach, Gera (Geraberg), Martinroda, Neuroda und Trasdorf. Johann Georg und seine Erben bleiben zu 50% Miteigentümer der eben genannten Güter.

Als 1788 Friedemann Hartman, der Sohn Hartmanns stirbt, erlischt die Elgersburger Linie.

Die 4 Enkel Johann Georgs sind zu diesem Zeitpunkt Miteigentümer der Elgersburg und der dazugehörigen Güter. Friedrich Wilhelm Ludwig stirbt 1800. Sein Erbe tritt sein Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August an(1797 – 1862) an. Die Witwe des Friedrich  Hartmann von Witzleben soll ausgezahlt werde. Nach der Unterzeichnung des Vertrages über die Abtretung des Erbes an die vier Brüder müssen diese den vereinbarten Betrag allerdings schuldig bleibe. Das Gut in Angelroda wirft nichts ab und die vier Brüder haben zu dieser Zeit nur einen geringen Sold als Verdienst. Die Schuld wird später beim Verkauf der Elgersburg beglichen.

 

Da die Elgersburg zu Zeitpunkt des Todes von Hartman 1788 bereits hoch verschuldet war, wurde das Erbe zur Belastung. 1802 bleibt den Erben nichts anderes übrig als die Elgersburg, sowie die Güter in Manebach, Trasdorf, Gera (Geraberg) und Neuroda an die Herzogliche Kammer in Gotha zu verkaufen.

Der Kaufpreis betrug 125222 Taler, 21 Silbergroschen und 2 Pfennige, Dies entspricht heute etwa 1,67 Mio. Euro. Die Schulden auf der Elgersburg betrugen 55120 Taler (ca. 737000€). Ausgezahlt werden von der Herzoglichen Kammer jedoch zunächst nur 11101 Taler (ca. 148000€). Die restlichen 60000 Taler verbleiben zunächst als Sicherheit bei der Herzoglichen Kammer, da nicht sicher ist, ob noch Schulden, die auf der Elgersburg und den dazu gehörigen Gütern lasten, auflaufen. Wann der restliche Betrag, und in welcher Höhe, ausgezahlt wurde, ist mir nicht bekannt. Der Witwe des Friedrich Hartmann müssen nun noch die vereinbarten 2797 (ca. 37200€) Taler ausgezahlt werten. So bleiben den vier Brüdern zunächst nur 8304 Taler, was für jeden nach heutigen Wert ca. 27500€ entspricht.

Das Gut in Martinroda wird nicht mit veräußert, sondern wird als Domäne von Angelroda aus mit bewirtschaftet.

 

 

1802 bis 1945

 

Nach dem Verkauf der Elgersburg und der dazu gehörenden Güter bleiben den „von Witzleben“ der Angelrodaer Linie nur das Gut Angelroda und das kleine Gut in Martinroda als Eigentum.

Es kristallisiert sich in den nächsten Jahrzehnten heraus, dass das gut Angelroda nur durch den Familienzweig von Friedrich Wilhelm Ludwig von Witzleben (1760 – 1800) das alleinige Erbe und die Bewirtschaftung des Gutes übernehmen. Karl Friedrich Heinrich Günther (1755 – 1824) und Friedrich Albert Ernst Heinrich (1761 – 1818) verkaufen um 1830 als erste Ihre Anteile. Um 1843 erwirb Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben (1797 – 1862) den letzten Anteil von seinem Cousin Wilhelm Viktor Heinrich. Somit wird Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben der alleinige Besitzer des Gutes Angelroda (und Martinroda).

Von seine drei Söhnen übernimmt Job Günther Ernst (1829 – 1880) die Leitung des Gutes. Er ist zwar auch beim Preußischen Militär, ist mit seiner Kariere aber nicht zufrieden und lässt sich zunächst vom Dienst freistellen um sich in die Verwaltung eines landwirtschaftlichen Gutes einzuarbeiten. Die Anteile seiner beiden Brüder bzw. dessen Erben am Gut Angelroda werden wohl später erworben.

Nach dem Tod von Job Günther Ernst Heinrich im Jahr 1880 bleibt noch eine letzte Generation „von Witzleben“ bis zur Enteignung nach dem 2. Weltkrieg mit Angelroda verbunden. Dies wären die Geschwister Job Wilhelm Heinrich (1859 – 1923), Herrmann Reinhold Rudolf (1863 -  1924), Friedrich Karl (1864 – 1946), Helene Anna Viktoria (1866 – 1944), Marie Luise (1868 - ?), Georg Alfried Gottlieb (1870 – 1936), Anna Auguste Elisabeth (1873 – 1962) und Luise Friederike (1876 – 1969).

Job und Herrmann blieben unverheiratet und ohne Nachkommen. Die Ehe von Georg blieb Kinderlos. Er adoptierte den Sohn von Helen und Ihren früh verstorbenen Mann Conrad von Wurmb. Alfred Adalbert Hans Lutze von Witzleben-Wurmb wurde Georgs Erbe. Die beiden mittleren Söhne von Friedrich Karl von Witzleben und seiner Frau, Else Reimer; fielen zu Beginn des ersten Weltkrieges. Sein ältester Sohn Job Ernst(1890 -1936) hatte kein Interesse am Gut Angelroda. Seine Tochter Irmgard Marie Elisabeth stirbt 1944 im KZ Ravensbrück.

 

Zu erwähnen sei noch, dass die Brüder Herrmann und Georg 1906 das Gut Dornheim von Ihrem Großvater mütterlicherseits kauften. Dies blieb auch bis zur Enteignung 1945 in Familienbesitz.

 

Gefragt wird auch immer wieder nach dem Verhältnis zum General-Feldmarschall Job Wilhelm Georg Erwin Erdmann von Witzleben (4. Dezember 1881 in Breslau - 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee). Erwin von Witzleben und Friedrich Karl von Witzleben haben denselben Ur-Ur-Großvater, nämlich Albrecht Ernst Heinrich von Witzleben (1717 – 1761).