Das Gut Angelroda war von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1651 Eigentum der Schwarzburger Grafen. In Dieser Zeit wurde es direkt von Schwarzburger Bediensteten verwaltet oder es wurde als Lehn vergeben.

ab  948

1266 - 1296

1291

1290 - 1319

1331 - 1343

1343

1351

1363

1502

Der Ort Angelroda geht im Jahr 948 an das Kloster Hersfeld; gegen Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts wir im Ort eine kleine Klosteranlage von Benediktinermönchen errichtet.

Dies wird die Grundlage des Rittergutes Angelroda.

Bis wann das Kloster als solches genutzt wurde, ist nicht bekannt.

Das Gebäude, welches heute das Dorfgemeinschaftshaus ist, wurde bisher als eine Art Schutzburg für das Kloster angesehen. Es kann auch späteren Ursprungs sein und nicht in Verbindung mit dem Kloster stehen.

 

 

Friedrich von Anglenrod wird in verschiedenen Urkunden erwähnt. Er wird wohl von den Schwarzburger Grafen mit dem Gut belehnt.

Der Schloßverwalter von Kranichfeld wird als Verwalter bzw. Vogt von Angelroda erwähnt.

Konrad von Angelroda, des Grafen Günther von Schwarzburg Burgmann, wird im Zusammenhang mit dem Rittergut genannt.

In dieser Zeit wird ebenfalls ein Konrad von Angelroda mit dem Rittergut in Verbindung gebracht. Unterlagen lassen den Schluß zu, dass es Vater und Sohn mit dem Namen Konrad von Angelroda gab.

Der Ort Angelroda wird an den Grafen von Henneberg verkauft. Konrad von Angelroda wird „mit all seinen Mannen“ in den Dienst des Henneberger Grafen gestellt.

Am 3.5.1351 bekommen die Brüder Friedrich, Hermanstein und Tring von Witzleben die Hennebergischen Güter Roda, Manebach, Gera (Geraberg) und Angelroda sowie die unter der Elgersburg gelegenen Weingärten und Wiesen zum Lehn.

Der Ort geht zurück an die. Schwarzburger Grafen. Am 5.11.1363 bekommt Ritter Friedrich (Fritze, andere Quellen)) von Witzleben auf Liebenstein den Ort und das Gut Angelroda zum Lehn. Er besaß vorher schon Güter in Angelroda.

Reinhardt von Sundhausen wird als Lehnsherr auf dem Gut erwähnt.

1520

1560

1583

1586

1591

1630

1632

1642

1651

1946

ab 1946

Heinrich Vitzthum wird als neuer Besitzer genannt.

Oberst Wolff Diffsteter wird von den Grafen Günther und Johann Günther mit dem Gut Angelroda belehnt.

Otto von Rußwurm bekommt das Gut als Erblehn.

Otto von Russwurm vererbt das Gut seinen Söhnen Christoph, Otto Friedemann und Burkhard Hieronymus

Der Lehnbrief für Burkhard Hieronymus Rußwurm wird von Graf Albrecht von Schwarzburg erneuert. Burkhard Hyronimus zahlt seine Brüder aus, oder diese sterben ohne männliche Erben zu hinterlassen. Burkhard Hieronymus wird alleinig Besitzer des Gutes.

Er erweitert das Rittergut um die „5 Kerpsche‘n Güter“.

 

 

 

 

Burkhard Hieronymus Rußwurm stirbt ohne männlichen Erben. Seine einzige Tochter ist nicht erbberechtigt. Das Rittergut geht zurück unter die direkte Verwaltung des Schwarzburger Grafen.

Major, später Oberst, Melchior von Witzleben auf Liebenstein erbittet sich Gut und Dorf Angelroda vom schwedischen König.

Dies wir ihm wohl kurzzeitig bewilligt, ihm wird das Gut jedoch nach Intervention des Schwarzburg-Rudolstädischen Grafen wieder "aus den Händen genommen".

 

 

11. Juli 1642, Graf Ludwig Günther zu Schwarzburg tritt das Rittergut an seine Schwestern Katharina Maria und Dorothea Susanne ab.

Katharina Maria verstarb kurz danach und vermachte ihren Anteil an ihre Schwestern

 

 

Am 8. Februar 1651 kauft Regine Elisabeth von Witzleben das Gut Angelroda für 10000 Gulden (heute ca. 214700€) für ihre Söhne Job Wilhelm, Friedemann Melchior und Hans Hartmann.

 

Friedrich Karl von Witzleben ist der letzte Besitzer des Rittergutes. (Er ist Teil einer Erbgemeinschaft und nicht alleiniger Besitzer des Gutes) Er wird enteignet und muss unter Zurücklassung all seines Besitzes im Februar 1946 das Gut verlassen. Er stirbt im Dezember 1946 in Elgersburg.

Das Rittergut geht in Gemeindebesitz über.

 

 

Von da an werden die Gebäude des ehemaligen Rittergutes verschiedenartig genutzt.

Ein Kernbereich wird später LPG, es entstehen private Wohnhäuser und Wohnungen, Umsiedlerwohnungen, eine ambulante Arztpraxis, Schulräume, das Gemeindebüro, die Post, qder neue Kindergarten, die Heimatstube, das Dorfgemeinschaftshaus, der Bauhof der Gemeinde und das neue „Spritzenhaus“ der FFW Angelroda.

 

 

Dominiert wurde das Gut eigentlich vom 1614 -18 errichtetem Schloß. Im Mittelpunkt standen aber immer die große (früher waren es 2 Kastanien) Kastanie und der große Misthaufen.

 

Inwieweit weiter Gebäude im Bereich der „Großen Gasse“ zum Gut gehörten entzieht sich meiner Kenntnis. Ich wollte hier nichts Falsches einzeichnen.

Die Zeichnung hier entstand nach Katasterkarten und alten Fotos.

Anfang des 17. Jahrhunderts legte Burkhard Hieronymus von Russwurm als neuer Eigentümer eine rege Bautätigkeit an den Tag. Bist auf das alte Kloster und das Gebäude, welches heute das Dorfgemeinschaftshaus ist ließ er alle anderen Gebäude auf dem Gut abreisen und von Grund auf neu errichten. Dazu zählte auch das jenseits der Gera gelegene Gasthaus, welches ebenfalls zum Gut gehörte, die Schenke.

Das Gebäude, welches heute die Heimatstube beherbergt, ließ er um eine Etage erweitern. Der Dachstuhl des Hauses ist heute noch zu einem großen Teil original Anfang 17. Jahrhundert. Im vorderen Teil des Gebäudes ließ er eine Wendeltreppe errichte, die wohl bis zum Dachgeschoss reichte. Diese wurde um 1880 - 85 abgerissen und eine Treppe im hinteren Teil des Hauses eingebaut. Diese Treppe ist heute der Aufgang zu Obergeschoss der Heimatstube.

Mit dem Bau dieser Treppe fiel auch der Durchgang durch das Wirtschaftsgebäude weg, den die Adligen nutzten, um die Kirche durch einen Herrschaftseingang an der Rückseite der Kirche zu betreten.

 

Wichtigstes Bauprojekt von Burkhard Hieronymus von Rußwurm war aber das Schloß, welches er von 1614 bis 1618 errichten ließ.

Der schlichte Bau prägte 330 Jahre das Dorfbild. Viele Generationen der adeligen Familie Witzleben, die ihr Stammhaus im 12. Jahrhundert in Witzleben erbauten, lebten drei Jahrhunderte hier in Angelroda. Die Vorderfront des Schlosses wurde in der Mitte durch einen achteckigen Treppenturm durchbrochen. Die einzelnen Etagen des Hauses waren nur über diesen Turm zu erreichen. Das hohe Dach war durch zwei Quergiebel belebt. Durch die große Empfangshalle im Erdgeschoss erreichte man die Bibliothek und das Familienarchiv. Gegenüber befand sich das Esszimmer mit der dahinter liegender Küche. Das Schmuckstück im ersten Stockwerk war der Kaisersaal. Hier hingen die zahlreichen Ahnenbilder der Familie, viele davon von der Elgersburger Linie.

 

 

Ein Bericht aus dem Jahr 1841 von A.H.A. Hatham (Auszug)

 

Schloss hat einen Turm, der zugleich Treppenhaus ist, von Außen nicht ganz freundlich, im Inneren sehenswert, obere Etage Atrium und herrschaftliche Wohnstube mit Ahnengalerie des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, auch viele andere Gemälde, Schloss beinhaltet eine Stube zur "Anrichtschalterei" (Gerichtshaltung), viel Türschnitzwerk und cassetierte Deckentäfelungen, im hinteren Teil eine große Küche, Keller im Untergeschoss laufen oft voll Wasser

 

Inschrift über der Tür:

„Durch mich Burkart Hieronmo Ruswurm Obristen sint diese geben gefangfa unt alhier volent durch Gotes Hilf in 16. - 18. Jahr

Gott wolle dieselbigen durch seine heilige Engel bewahren“

(geschrieben in großen lateinischen Buchstaben)

 

dazu gehört das Alliance-Wappen (?), sowie in einem Eckpfosten geschnitzte Figur mit einem Schild , darauf die erwähnten Jahreszahlen

 

- zur rechten Seite Pächterswohnung und Stallungen

- zur linken Seite Scheuer, Brennerei, Schäferei und andere Gebäude

- der Hof bildet ein Viereck mit zwei kolossalen Kastanien, welche die Düngerstätte (Misthaufen) verdecken.

 

 

Am 8. Februar 1651 kaufte Regina Elisabeth von Witzleben für ihre Söhne Job Wilhelm, Friedemann Melchior und Hans Hartmann das Lehngut Angelroda mit allen dort stehenden alten und neuen Gebäuden, den dazu gehörenden Äckern, Wiesen, Rainen und Steinen, der Schäferei, den Teichen, Fischwassern, hohen und niederen Gerichten, den Gehölzen, Jagden, der Brau- und Schankgerechtigkeit mit der Braupfanne und dem Braugeschirr, ihrem Recht an der Unter- und Obermühle, den Lehen, Zinsen, ferner die Gerechtigkeit an den 5 Kerpen’schen Gütern.

 

Von nun an wurde der Gutsbesitz in Angelroda an direkte Nachkommen weitervererbt.

 

Friedemann Melchior lebte auf der Elgersburg und verstarb unverheiratet am 29. Dezember 1707.

 

Sein Bruder Hans Hartmann verstarb ebenfalls unverheiratet am 7. Juni 1709.

 

Job Wilhelm war seit 1669 mit Sophie Agnes von Wangenheim verheiratet. Er starb am 27. November 1688 in Angelroda und hinterließ mehrere Töchter und zwei Söhne, Johann Georg und Hartmann von Witzleben. Johann Georg wurde der Begründer der Linie zu Angelroda.

Familienwappen von Witzleben

1848 hätte der damalige Besitzer, Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben, das Gut beinahe „verspielt“ und man hätte sich in Angelroda mit einem neuen Gutsbesitzer vertraut machen müssen.

Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben war 1848 Geheimer Rat am Hofe des Fürsten Friedrich Günther zu Schwarzburg- Rudolstadt. Als 1848 auch im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt Unruhen ausbrachen, wollte er dies dem Fürsten verheimlichen, da er der Meinung war, der Spuk sei in Kürze eh wieder vorbei und der Fürst müsse deswegen nicht beunruhigt werde. Dabei hatte der Herr Geheimrat von Witzleben die Rechnung aber ohne den Fürsten gemacht, der genau Bescheid wusste, was in seinem Land vor sich ging.

Die Tatsache, das ihn von Witzleben nicht informierte, sah er als Vertrauensbruch und enthob den Herrn Geheimrat von seinem Posten. Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben musste Rudolstadt innerhalb von 24 Stunden verlassen (andere Quellen berichten von 2 Stunden welche von Witzleben blieben) und der Fürst Friedrich Günther wollte ihn nicht nur das Stadthaus in Rudolstadt wegnehmen, sondern auch das Gut Angelroda enteignen. Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August von Witzleben hatte aber noch einige Fürsprecher am Fürstlichen Hof und so blieb es beim Absetzen aus all seinen Ämtern am Hof und der Enteignung des Stadthauses in Rudolstadt.

 

Friedrich Wilhelm Heinrich Karl August on Witzleben und seine Frau ließen sich weiterhin jeweils bis zu ihren Tod mit Herr und Frau Geheimrat anreden.

 

 

Teich- und Fischwirtschaft gehörten seit je her zu den Privilegien des Rittergutes. Im Kaufvertrag von 1651 wurden Regine Elisabeth von Witzleben alle Rechte an den Teichen und den Fischgewässern übereignet. Die Teichwirtschaft war von jeh her eine der wichtigsten Einnahmequellen des Gutes.

 

 Die Karte aus dem Jahr 1853 zeig die „Geschwendaer Teiche“ und den „Frohnteich“ (mit Pfeilen markiert).

Der Fronteich liegt zwar auf Geraberger Gebiet, wurde aber 1803  zusammen mit einigen Geraberger Wiesen Witzlebner Eigentum, In den letzten Jahren des Rittergutes wurden die Fischereirechte gelegentlich verpachtet.

 

Das Gut umfasste eine Fläche von ca. 150 Hektar. Im Jahr 1850 waren das zu gleichen Teilen Acker, Wald und Wiesen. Diese Verteilung der Nutzung änderte sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Ein Teil an Äckern und Wiesen wurden zu diesem Zeitpunkt aufgeforstet. (siehe Bodennutzung).

Die zum Gut gehörenden Waldflächen ersttreckten sich auf die Gemeinden Geraberg, Martinroda und Elgersburg.

 

Zum Gut gehörte auch, neben Rindern und Schweinen, eine große Schafherde mit weit über 800 Tieren. Angelrodaer Schafskäse schmeckte übrigens schon J.W.Goethe (siehe Heimatstube).

© GeoBasisDE / TLVermGeo;

 Staatsbibliothek Berlin, Stiftung Preußischer Staatsbesitz

Im Jahr 1947 wurde das Schloss geplündert und abgerissen.

Grundlage für den Abriss war der Kommissarbefehl 209 der SMAD. Der Befehl 209 erlaubt den Abriss von Schlössern und Herrenhäuser zur Gewinnung von Baumaterial im gesamten Gebiet der SMAD. Sollte es dabei zu Plünderungen kommen, so steht es im Befehl, wird dies nicht verfolgt. So wurden in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg in ganz Ostdeutschland mehr als 600 Schlösser und Herrenhäuser geplündert und abgerissen, ca. 200 allein in Thüringen.

Ein Teil der Ahnengalerie kam in das Schlossmuseum Arnstadt. Der Rest der Ausstattung des Schlosses ging verloren.                                                                                                                    Gelegentlich tauchen bei Auktionen Teile des Inventars auf. So z.B. im Sommer 2009, als bei einer holländischen Auktion mehrere Gemälde aus dem Angelrodaer Schloss angeboten wurden.

 

Im Sommer 2014 wurde vom örtlichen Heimatverein eine Tafel zur Erinnerung an das Schloß errichtet.