DieKammerlöcher

Unweit von Angelroda befinden sich die „Kammerlöcher“, ein Muschelkalkabsturz.

Eine 100 Meter lange und 20 Meter breite Scholle hat sich vom Bergmassiv gelöst, so dass seltsam zerklüftete Schluchten entstanden sind. An der Abbruchkante geht es mehr

als 25 -30 Meter in die Tiefe.

 

Das Gebiet der „Kammerlöcher“ im „Weißen Stein“ ist von Angelroda ca. 1 Kilometer entfernt. Man sollte jedoch gut zu Fuß sein, denn es geht steil bergauf. Etwa 130 Höhenmeter sind von Angelroda aus zu überwinden. Beim Wandern über den schmalen Rücken aus Muschelkalk ist äußerste Vorsicht geboten. Stellenweise vorhandene Risse im Erdreich, die sich ständig erweitern, zeigen dass der Berg in Bewegung ist. Der hangabwärts gelegen Teil der „Schlucht“ bewegt sich  jährlich 6 mm talwärts.

Die Zwerge in den Kammerlöchern

 

"Bei der Beschäftigung mit dem reichen Schatz unserer Märchen, Sagen und Überlieferungen begegnen wir vielfach den Vertretern des weitverbreiteten Volkes der Zwerge, Wichtel, oder Gnomen. Ihnen geht insgesamt nicht der beste Ruf voraus. Den Beispielen uneingeschränkter Gutartigkeit und Hilfsbereitschaft stehen Handlungsweisen gegenüber, die von bloßem Schabernack bis hin zur arglistigen Täuschung und unversöhnlichen Rachsucht reichen. Allerdings sind oft genug Undank und getäuschtes Vertrauen konkrete Anlässe für ein befremdliches Verhalten der Kleinwüchsigen. Von den Zwergen in den Kammerlöchern wird berichtet, dass sie allen Zeiten ein neckisches, lustiges Völkchen waren. Mit Hilfe von Tarnkappen blieben sie unsichtbar.

Junge Eheleute, die sich aus einfachen Verhältnissen ehrlich und fleißig emporarbeiten wollten, wurden oft reich beschenkt. So fand manches Paar eines morgens im bislang leeren Stall die schönste Kuh angebunden und sah damit einen heimlichen Wunschtraum unversehens erfüllt.

Der Wirt von Angelroda machte freilich andere Erfahrungen mit dem Zwergenvolk.

Die schlauen Wichte wühlten von der Wache(1) bis zur Kummel einen Stollen und gelangten so in die tiefen, weiträumigen Wirtskeller, wo sie sich abwechselnd an Bier, Wein, Kuchen und an anderen Vorräten gütlich taten. Der Wirt verdächtigte zunächst das Gesinde, dann seine Hausgenossen, und bereitete sich dadurch viel Vertruß. Endlich geriet er auf den Einfall, Asche zu Streuen, um an den entstandenen Fußstapfen vielleicht die unsichtbaren Beizampfer zu erkennen. Nach mehreren ergebnislosen Versuchen fand er eines Morgens zahllose kleine Spuren in der Asche. Die ähnelten Gänsefüßchen und verloren sich im tiefsten Hindergrund des Kellers, wo der Wirt nach langwierigen Suchen eine unsichtbare Felsspalte entdeckte. Nun wußte er, wer seinen Keller heimsuchte. Ein weiser Mann, dem er die Entdeckung anvertraute, erteilte folgenden Ratschlag: Man sollte, wenn man die Näher der stets unsichtbaren Zwerge vermute, mit Taxuszweigen nach ihnen schlagen. Jeder getroffene Zwerg werde augenblicklich sichtbar. Auch sei den Zwergen die Form des Kreuzes verhaßt. Wenn man am Trinitatis-Sonntag(2) Eibenzweige kreuzweise über ihre Wege lege, so beschritten sie diese nimmermehr wieder.

Der Wirt teilte den erhaltenen Rat allen Dorfbewohnern mit, und am nächsten Trinitatis-Sonntag stieg das halbe Dorf Angelroda hinauf zum Weißenstein, um Eibenzweige zu brechen, denn natürlich war jeder davon überzeugt, dass alle Unregelmäßigkeiten und Missstände in seiner Wirtschaft dem unseligen Treiben der Zwerge zuzuschreiben seien. Die abgebrochenen Zweige legten sie kreuzweise über die Wege der Zwerge in den Kammerlöchern. Unten im Dorf wurden gekreuzte Eibenzweige in Küchen, Keller und Vorratsräume gelegt. Einige glaubten, auch das Vieh vor bösem Zauber schützen zu müssen. Sie steckte die gekreuzten Zweige an ihre Stalltüren. Um Mitternacht hörte man vom Kirchholz herab ein anhaltendes Trippeln und Trappeln, als ziehe ein Heer von vielen kleinen Leuten vorüber. Dazwischen klang es wie leises Weinen und Schluchzen. Der geisterhafte Zug ging durchs Dorf, an den jenseitigen Felshöhen hinauf und verlor sich schließlich Richtung Rippersroda.

Andere Quellen berichten von einem unheimlichen Rauschen in der Luft. Der Zwergenkönig zog mit seiner Schar durch die Nacht hinüber nach Rippersroda und weiter fort. Ein leichter Schimmer am Himmel bezeichnete seinen Weg.

Damit waren die lästigen Nachbar ein für allemal vertrieben. Allerdings verlor sich auch der Segen ihrer Anwesenheit. Nach diesem Ereignis wurde es in Angelroda Brauch, alljährlich am Trinitatis-Sonntag zum Weißenstein hinaufzuziehen, dort Eibenzweige abzubrechen und diese kreuzweise in Kellern, Küchen, Stuben und Ställen zu befestigen."

 

Quelle: Wettig, H.: Der Sagenschatz von Arnstadt und seiner Umgebung, Stollbergsche Verlagsbuchhandlung, Gotha 1888

 

Berg, oder doch nicht?

 

Ja, auch Angelroda hat auf seinem Ortsgebiet offiziell 2 Berge zu stehen. Und an dieser Stelle gehe ich von den offiziellen Karten des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie aus. Zum einen sind dies der „Ziegenberg“ und zum anderen der „Kirchberg“. Aber hier muss man schon Phantasie haben. Geht man davon aus, dass ein Berg eine Geländeerhebung ist, die nach allen Seiten hin von der Kuppe deutlich abfällt, so kommt doch der „Kirchberg“ hier mächtig unter die Räder. Auch beim „Ziegenberg" muss man hier schon ein wenig die Hühneraugen zudrücken. Zu finden sind die beiden Berge nur per GPS und gutem Kartenmaterial.

 

Der „Ziegenberg“ liegt westlich des Ortes und hat eine Höhe von 488,7 Meter. Nach Süden fällt er steil ab, auch nach Norden fällt er ab, aber deutlich flacher und auf den ersten Metern kaum sichtbar. Schaut man sich an wie der „Ziegenberg“ in Richtung Osten und Westen abfällt, so muss man schon einiges an Vorstellungskraft mitbringen um einen Höhenabfall festzustellen. Kaum merklich ändert er in die jeweilige Richtung seine Höhe. Richtung Westen, zur Ortsgrenze nach Geschwenda hin, fällt der Rücken, auf dem der „Ziegenberg“ liegt nach einigen Metern langsam ab, um gut 80 Metern weiter steil ins Tal zu fallen.

 

Der „Kirchberg“, immerhin 498,1 Meter hoch,  liegt südlich des Ortes im „Kirchwald“ (wo sonst). Eine Wegkreuzung markiert laut offiziellen Karten den Punkt, der als Berggipfel festgelegt wurde. Kommt man aus nördlicher und östlicher Richtung auf den Berg zu, so braucht man schon eine gute Kondition, denn es geht gut bergauf. Aber wenn am einmal den Punkt erreicht hat, der als „Kirchberg“ bezeichnet wird, muss man feststellen, das es in südlicher Richtung langsam weiter bergauf geht und in nord-westliche Richtung noch einige steile Meter vor einem liegen. Der „Kirchberg“ liegt mitten im Wald an einem Hang. Welcher Topograph sich das hat einfallen lassen ist leider nicht bekannt.

 

Diese zwei Berge zeigen aber nicht die höchsten Punkte auf dem Gemeindegebiet Angelrodas. Südlich des Ortes, an der Gemeindegrenze zu Geraberg, kurz vor dem „Weisen Stein“ liegt der höchste Punkt mit 530 Metern. Nord-Westlich an der Gemeindegrenze zu Geschwenda nur ca. 200 Meter vom Drei-Herren-Stein entfernt werden noch 519 Meter gemessen.

 

Auf der unten zu sehenden Karte werden einige interessante Höhenangaben gezeigt.

 

Da, wo die kleine Fichte steht, ist offiziell der „Kirchberg“.

Hier der „Ziegenberg“ in seiner vollen Pracht.

Drei-Herren-Steine

Mit dem Stadtilmer Vertrag von 1599 über die territoriale Aufteilung des Schwarzburger Gebiets entstanden die Grafschaften Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Dieser Vertrag besiegelte auch, dass Angelroda zur Exklave wurde. Abgetrennt von Stammterritorium Schwarzburg-Rudolstadt war von da an Angelroda „von fremden Mächten umzingelt“. Die Gemeindegrenzen Angelrodas waren also praktisch Staatsgrenzen. Die Drei-Herren-Steine an den Ortsgrenzen von Angelroda zeugen heute noch davon. Mittlerweile sind diese Grenzsteine nur noch Teil der Gemeindegrenze.

 

• Am östlichen Zipfel von Angelroda steh, etwas abseits des Weges, einer der Steine. Er markierte die Grenze zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha mit Rippersroda auf der einen Seite und Neusiss auf der anderen Seite, das zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörte.

 

• An der nord-westlichen Ecke von Angelroda ist der Originalstein nicht mehr vorhanden. Dieser wurde in den 1990er Jahren durch die angrenzenden Gemeinden ersetzt. Hier stoßen die Gemeindegebiete von Angelroda (Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt), Liebenstein (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha) und Geschwenda (Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen) aufeinander.

 

• Da wo die „Birke“ endet, am süd-westlichsten teil Angelrodas, befand sich ein Drei-Herren-Stein der die Gemeinden Geschwenda (Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt), Geraberg (Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha) und Angelroda voneinander trennte. Dieser Stein war wohl den Forstarbeitern oder der Landwirtschaft im Weg. Der Stein soll angeblich an der Braunstein-Mühle in Arlesberg zu besichtigen sein. Bei einem Fototermin Mitte August 2016 konnte ich den Stein allerdings nicht finden.

 

• Der vierte und somit letzte der Drei-Herren-Steine steh am „Weißen Stein“ unweit der „Kammerlöcher“. Hier trafen die Herzogtümer Sachsen-Weimar-Eisenach, mit der Gemeinde Martinroda, Sachsen-Coburg-Gotha, mit dem Ort Geraberg auf das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, mit dem schönen Ort Angelroda, aufeinander.

 

Zu DDR-Zeiten waren die Grenzsteine an der „Birke“ und am „Weißen Stein“ gleichzeitig Teil der Bezirksgrenze zwischen Erfurt und Suhl.