Im Jahr 948 wird Angelroda zusammen mit einigen anderen Thüringischen und Fränkischen Orten gegen den Ort Wormsleben mit dem Hessischen Kloster Hersfeld getauscht.

Der Zugehörigkeit zum Kloster Hersfeld verdankt Angelroda seine ältesten Gebäude.

 

Wahrscheinlich Mitte des 13. Jahrhunderts geht Angelroda in den Besitz der Grafen von Schwarzburg (Schwarzburg-Käfernburg). Genaue Daten liegen nicht vor; im Hessischen Staatsarchiv Marburg, welches die Akten zum Kloster Hersfeld verwaltet, und im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt konnten diesbezügliche keine weiteren Akten bzw. Urkunden gefunden werden.

 

1343 verkauft Graf Günther der Jüngere von Schwarzburg Ilmenau samt Kirchheim und Angelroda für "2000 Mark lötigen Silbers" an die Grafen von Henneberg.

 

1363 erwirbt Johann von Schwarzburg Angelroda von den Grafen von Henneberg zurück.

 

1599 kam es zu einer Erbteilung des Schwarzburgischen Besitzes, das sich bis dahin um einige Gebiete vergrößert hatte. Es entstanden die Grafschaften Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt. Durch diese Erbteilung wurde der Ort Angelroda eine Exclave der Grafschaft bzw. des späteren Fürstentums Schwarzburg-Rudolstdt. Der nächstgelegene Ort, der zum Schwarzburg-Rudolstädischen Territorium gehörte, war Bücheloh. Amtsgeschäfte mußten zunächst in Stadtilm erledigt werden.

 

Angelroda blieb in Schwarzburg-Rudolstädtischem Besitz bis zur Abdankung des Fürsten am 22.11.1918.

 

Der Ort wurde Teil des Freistaates Thüringen, gegründet am 1.5.1920.. Auf der kleineren Verwaltungsebene kam Angelroda zum neu gegründeten Kreis Arnstadt.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Gründung der DDR kam es 1952 zu einer Verwaltungsreform. Im Zuge dessen wurde Thüringen in drei Bezirke aufgeteilt.

Angelroda wurde Teil des Bezirkes Erfurt.

 

1990 war die Zeit der Bezirke wieder vorbei und der Freistaat Thüringen  entstand aufs Neue. seit 1994 ist Angelroda Teil des Ilm-Kreises.

Seit 1994 gehört Angelroda zum Ilm-Kreis, der sich aus den Alt-Kreisen Arnstadt und Ilmenau zusammensetzt.

 

Eine neue Verwaltungs- und Gebietsreform steht in Haus. Die Zukunft des Ortes ist ungewiss.

 

 

Ortsname

Ersterwähnung

Ortswappen

 

 

Der Name „Angelroda“ geht zurück auf das altgermanische Volk der Angeln. Diese siedelten ursprünglich im Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein. Im 2. Und 3. Jahrhundert verließen kleine Gruppen ihr angestammtes Siedlungsgebiet und  zogen Richtung Süden, entlang der Elbe und Saale. Von Norden kommend, drangen sie immer weiter in das heutige Thüringen ein. Sie vermischten sich jedoch friedlich mit den hier ansässigen Volksstämmen, allen voran den Hermunduren. Ab dem 4. Jahrhundert wurde in der Geschichtsschreibung nicht mehr von diesen einzelnen Volksstämmen berichte. Es gab nur noch das Volk der „Doringi“, die Thüringer.

 

Der zweite Teil des Ortsnamens „roda“ erklärt sich von selbst. Es handelt sich um die Urbarmachung des Bodens durch eine Rodung.

„Angelroda“ bezeichnet also einen Flecken Erde, der von den Angeln durch eine Rodung nutzbar gemacht wurde.

 

Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in verschieden Veröffentlichungen der Ortsname derart gedeutet. Vor Jahren wurde eine Artikel in der TA veröffentlicht, der den Zusammenhang der Völkerwanderung der Angeln im 2. Und 3. Jahrhundert mit der Namensbildung der  so genannten „Engeldörfer“

m Kyffhäuserkreis (Westerengel, Kirchengel, Holzengel, Feldengel), Angelhausen und Angelroda darlegt.

 

Professor Udolph hingegen unterstützt diese These nicht. Er deute den Namen Angelroda wie folgt: bei Angelroda handelt es sich um eine Siedlung bzw. Rodung an einer Flussbiegung. Abgeleitet vom lateinischen Wort „Angulus“ für Winkel bzw. Biegung.

 

 

Text der Originalurkunde (HH2/14; HST) die sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg befindet; Übersetzung von O. Raith, Regensburg

 

Im Namen der unteilbaren Dreifaltigkeit Otto, König von Gottes Gnaden

Es sei allen unseren tüchtigen Getreuen bekannt gemacht, sowohl den gegenwärtigen als auch den zukünftigen, dass wir gewisse in unserem Eigentum stehende Anwesen dem Kloster,das in dem Ort Herolvesfeld zu Ehren des hl. Wigbercht, des Bekenners Christi, erbaut ist, wo der ehrwürdige Abt Hagano bekanntlich Vorsteher ist, durch gültigen Tausch überlassenhaben, und zwar im östlichen Franken vom Gut eines gewissen Friedrich alles, was er am nördlichen Ufer des Mains, wie bekannt, besessen hat in den Orten Buochwerid, Rizzestat, Garagoltesbah, Swarzaa, Stillaha; im westlichen Franken aber das Eigentum desverstorbenen Grafen Eberhart in Herlibah, Bommaresheim, Flurbah, Suliburc, Buochon und Hurnaja;

Außerdem in Thüringen in den Dörfern Huochtricheshus, Anglenhus, Anglenrod, Dorehoug, Amalungesdorp, Berchtlougarod, Sturchesvurt, alles was dort Eigentum des verstorbenen Brunichone war, mit allen Zugehörungen und Nutzungen, die regelmäßig damit verbunden sind.

Dagegen haben wir von dem obengenannten ehrwürdigen Abt gleichermaßen durch gültigen Tausch empfangen das Dorf Wurmeresleba mit der Kirche desselben Dorfes und dem gesamten Zehnten, das derselbe ehrwürdige Abt und die ihm untergeordneten Mönche im Gau Hossegauwe auf dem Nordufer des Bächlein Wilderbah, wie bekannt , früher besaßen, abgesehen von dem Teil der von der Gemeinschaft des hl. Wigbercht und des mehrfachgenannten Abtes herausgegeben wird.

Wir setzen auch fest, dass die Pächter des Landes, das wir gegeben haben, lediglich den Weisungen des Abtes unterworfen sind.

Und damit Zeugnis dieses unseres Tausches auch in künftigen Zeiten fest und unumstößlich bleibt, haben wir es eigenhändig unterfertigt und durch Abdruck unseres Siegelrings beurkundet.

Handzeichen des Herrn Otto, des unbesieglichen Königs

Gegengezeichnet: Brun, Kanzler, in Vertretung des Erzkaplan Friedrich. Gegeben am 27. März im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 948,

6. Indikation, im 13. Regierungsjahr des durchlauchtigsten König Otto; vollzogen zu Magdeburg; im Herrn zu gutem Glück Amen.

 

Das Ortswappen von Angelroda wurde Anfang des 20. Jahrhunderts, um 1910, von einem hier angestellten Lehre erstellt.

 

Es zeigt in den beiden linken Feldern die markanten Wahrzeichen von Angelroda: das Viadukt und die Kammerlöcher.

 

Im oberen rechten Feld ist eine Angel zu sehen, die von zwei Ähren umgeben ist. Dies soll eine Anspielung auf den Ortsnahmen Angelroda sein, auch wenn die Angel mit dem Namen des Ortes nichts zu tun hat.

 

Rechts unten symbolisiert wohl der Hammer, der von Eichenlaub und Eichel flankiert wir, das bodenständige Handwerk Angelrodas.

 

 

Dies ist meine persönliche Interpretation des Wappens. Sollte jemand andere Deutung dazu haben, würde ich mich über eine kleine Rückmeldung freuen.

Im Jahr 1921 errichtet die Familie von Witzleben im hinter dem Schloss gelegenen Park ein Ehrenmal für die gefallenen Mitglieder Ihrer Familie im ersten Weltkrieg.

Folgende Inschrift und Namen sind in den Stein gemeißelt:

 

Im Andenken unserer im Krieg 1914 – 1918  für Kaiser u. Reich Gefallenen

 

Job von Witzleben 14.10.1893 – 29.8.1914

Egbert von Witzleben 18.8.1875 – 29.8.1914

Erik von Witzleben 16.10.1891 - 1.10.1914

Kurt Viktor von Witzleben 14.6.1884 – 31.10.1914

Fritz von Witzleben 8.10.1894 – 19.11.1914

Carl von Wurmb 17.4.1893 – 24.3.1918

Heinrich Günther von Witzleben 9.7.1888 – 1.6.1918

Job von Witzleben 27.7.1898 – 4.10.1918

 

Familie von Witzleben

Angelroda 1921

 

Für die Gefallenen des 1. Weltkrieges errichtet der Kriegerverein im „Schramms Holz“, in der Nähe des "Weinberges" ein Ehrenmal. Im Ort ist dies bekannt als das „Kriegerdenkmal“. Wann dies errichte wurde ist nicht genau bekannt, aber das Jahr 1921 erscheint am plausibelsten. Das Ehrenmal ist leider in einem sehr schlechte Zustand und nur anhand eines Fotos aus dem Jahr 1933 (HH  1/13 rechts) ist es Möglich, die Inschrift und die Namen zu bestimmen.

 

Auf dem Felde der Ehre sind gefallen

Paul Fritz 10.9.1914

Kurt Stelzner 5.3.1915

Oskar Kindervater 26.5.1915

Paul Sauerbrey 27.5.1915

Karl Perlt 4.7.1915

Paul Konarzak 19.8.1915

Friedrich Grahnert 13.9.1915

Albert Röser 13.1.1916

Emil Mey 19.2.1916

Emil Kellner 4.3.1916

Hermann Röser 8.3.1917

Paul Meiselbach 19,7,1917

Franz Mebus 23.7.1917

Adolf Knabe 28.2.1918

Fritz Röser 17.3.1918

Erich Zeise 5.4.1918

Arno Zeise 26.4.1918

Paul Heyder 30.4.1918

Paul Schneider 17.7.1918

Franz Trinks 20.9.1918

Otto Debertshäuser 2.9.1918

 

 

2001 wurde auf dem Friedhof Angelroda ein drittes Ehrenmal errichtet. Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen des 2. Weltkrieges, den Opfern von Gewaltherrschaft sowie den Vertriebenen der Ostgebiete, die in unserem Ort eine neue Heimat fanden.

 

 

Walter Bornhard, Ludwig Böttner I, Ludwig Böttner II, Walter Böttner

Wilhelm Böttner, Karl Bürger, Fritz Dornheim, Curt Ernst, Max Genth

Hans Hänsel, Alfred Jäger, Günther Jäger, Arno Kahle, Hans Kirst

Helmut Koch, Max Koch, Guido Koriandt, Paul Meiselbach, Horst Milius

Fritz Müller, Albin Röser,  Hermann Schumann, Irmgard von Witzleben

Karl Röser, Ernst Sauerbrey, Hermann Schramm, Walter Schrickel

Ernst Schumann, Gerhard Schumann, Heinrich Schumann, Gerhard Schüller

Ernst Stelzner, Fritz Stelzner, Herbert Stelzner, Albrecht Steinbrück

Hartmann Swietkowiak, Friedrich Trinks, Walter Trinks, Max Voigt

Willi Winter, Harald Zöllner, Erich Zöllner

 

 

Es war einmal

 

Es ist kaum zu glauben, aber das nunmehr trocken gelegte Angelroda hatte einmal 5 Gaststätten. Nun ja, nicht unbedingt gleichzeitig, aber es waren 5 Gaststätten. Zu besten Zeiten existierten 3 Gaststätten gleichzeitig. Dies fand aber Mitte der 1960er Jahre sein Ende. Gegenwärtig existiert leider keine Gaststätte mehr in Angelroda. Was bleibt ist ein Bibel-Zitat: „Mich dürstet!“

Ein paar Zahlen

 

Höhenlage:

357 Meter bis 530 Meter

Niedrigster Punkt „Im Grunde“ kurz vor dem Durchlass nach Rippersroda

Höchster Punkt oberhalb der Kammerlöcher „Am Weißen Stein“

 

Höchste Erhebung des Ortes:

Der „Kirchberg“ mit 498 Meter

 

Größte Ost – West Ausdehnung 3900 Meter;

von der Ortsgrenze Plaue / Neusiß bis zur Ortsgrenze Geraberg

 

Größte Nord – Süd Ausdehnung 2500 Meter;

Von der Ortsgrenze Liebenstein bis zur Ortsgrenze Geraberg / Martinroda

 

Einwohnerzahlen (Auswahl)

-  1754    287 Einwohner

-  1793    266 Einwohner

-  1828    326 Einwohner

-  1848    350 Einwohner

-  1857    388 Einwohner,

-  1881    429 Einwohner

-  1890    471 Einwohner

-  1907    567 Einwohner

-  1914    573 Einwohner

-  1929    612 Einwohner

-  1937    639 Einwohner

-  1966    630 Einwohner

-  1971    565 Einwohner

-  2010    436 Einwohner